Zwei Frauen stehen an der Spitze der Wirtschaftsjunioren

Salomé Liebermann und Sonja Jöckel bilden die Doppelspitze der Wirtschaftsjunioren Lindau-Westallgäu. Liebermann, Mitglied der Geschäftsführung des Wasserburger Hotels Lipprandt ist erste, Jöckel, seit 2013 in der Geschäftsführung des Familienbetriebs JT-elektronik aktiv, zweite Vorsitzende. Dass zwei Frauen den Verein leiten, falle durchaus auf – das sagen beide.

 

Dennoch seien sie nicht alleine mit der Führung: „Wir haben einen aktiven erweiterten Vorstand, das finde ich schön“, sagt Jöckel. Die weibliche Führung sei ungewöhnlich, in anderen Juniorenkreisen überwiegen unter den Mitgliedern deutlich die Männer. Im Kreis Lindau-Westallgäu dagegen sind die Verhältnisse fast ausgeglichen, sagen Jöckel und Liebermann. Die offene Struktur der Veranstaltungen mache es nicht nur berufstätigen Müttern einfacher, im Verein aktiv zu sein: „Wir haben keine Präsenzzeiten oder Verpflichtungen. Wir machen ein Angebot, das man annehmen kann oder nicht“, sagt Jöckel.

Gerade bei Frauen in Führungspositionen stelle sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Kindern und Familie, so Liebermann. Dass immer noch weniger Frauen Führungspositionen innehaben, sieht Jöckel zum Beispiel bei der IHK-Regionalversammlung, bei der sich Vertreter der Wirtschaft treffen. Sie ist dann eine der wenigen Frauen unter vielen männlichen Firmenchefs.

Ihren Weg unter die Führungskräfte hat Jöckel mit einer Ausbildung als Bankkauffrau begonnen, ging dann nach Mainz, um BWL zu studieren. Ihre Diplomarbeit schrieb sie bei einem großen IT-Unternehmen in Frankfurt. Ziemlich zeitgleich mit ihrem Bruder ist sie dann bei JT-Elektronik eingestiegen, dem Betrieb ihres Vaters Ulrich Jöckel. Das Unternehmen befindet sich gerade mitten im Generationenwechsel – eine Herausforderung für Jöckel. „Ich bin froh, dass ich mit dieser Verantwortung nicht ganz alleine bin, sondern meinen Bruder und meine Schwester an der Seite habe“, sagt sie.

Salomé Liebermann führt heute in einem Bereich Mitarbeiter, in den sie selbst quer eingestiegen ist: Nach der Matura in Zürich studierte die gebürtige Schweizerin Jura. „Ich bin dann der Liebe wegen an den Bodensee gekommen“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie momentan noch in Teamarbeit mit ihren Schwiegereltern das Hotel Lipprandt. „Es war relativ schwierig, so radikal das Fach zu wechseln, besonders wenn gleich erwartet wird, dass man ,Chefin‘ ist, weil man zur Familie gehört“, erzählt Liebermann. Das Jura-Studium hat ihr dennoch etwas gebracht: „Das Studium ist vor allem auch eine Lebensschule“, sagt sie. Um ihre Kenntnisse im jetzigen Tätigkeitsbereich zu erweitern, hat sie ein Fernstudium im Bereich Hospitality Management angeschlossen. Im Hotel ist sie im Büro und an der Rezeption tätig, aber auch für Mitarbeiter und Personalmanagement zuständig.

Sie möchte auf jeden Fall in Wasserburg bleiben – aber sich auch weiterentwickeln. „Dazu muss man natürlich auch die Mitarbeiter mitnehmen“, sagt sie. Auch Sonja Jöckel ist die Bewegung nach vorne wichtig – und dabei hilft auch der Austausch mit anderen Führungskräften und Unternehmern, wie ihn der Kreis der Wirtschaftsjunioren bietet. „Es geht darum, nicht stillzustehen, immer wieder etwas Neues mitzunehmen von den anderen“, so Jöckel.

In Zukunft möchten Liebermann und Jöckel als weibliche Spitze zusammen noch mehr jungen Unternehmerinnen und Unternehmern zeigen, wie sie von den Wirtschaftsjunioren profitieren können – und so den Kreis erweitern.

 

Lindauer Zeitung

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